Unterstützung Sanierung Trockenmauern Engelberg
Hotspot der Artenvielfalt
Über Jahrhunderte schufen Landwirte durch harte Arbeit Trockenmauern – Mauerwerk ohne Mörtel, das Äcker von Steinen befreite und steile Hanglagen terrassierte. Diese charakteristischen Strukturen sind weit mehr als historische Relikte: Sie gehören zu den wichtigsten Lebensräumen für Reptilien und Amphibien in der Schweiz.
Die zahllosen Spalten zwischen den Steinen bieten Schlupfwinkel, Eiablageplätze und Winterquartiere. Sonnenerwärmte Steine schaffen ideale Aufwärmplätze. Mit Bruchsteinmauern durchsetzte Rebberge, Kastanienselven und Alpweiden zählen zu den artenreichsten Reptilienlebensräumen – von der Mauereidechse über die Blindschleiche bis zur Würfelnatter. Auch Amphibien wie Erdkröte, Feuersalamander und Alpensalamanderprofitieren von diesen wertvollen Kleinstrukturen.
Der Bau von Trockenmauern ist ein traditionelles Kunsthandwerk, das zunehmend in Vergessenheit gerät. Die fachgerechte Erstellung, Pflege und Erhaltung ist aufwändig und kostenintensiv – der Nutzen für die Biodiversität jedoch enorm. Ohne regelmässige Pflege verbuschen Lesesteinhaufen und verlieren ihren ökologischen Wert. Gleichzeitig stellen zerfallende Mauern eine Steinschlaggefahr für darunter liegende Infrastrukturen dar.
2009 initiierte die Gemeinde Engelberg im Rahmen des Vernetzungsprojektes ein umfassendes Inventar der Trockenmauern. Über 10 Kilometer wurden erfasst – mit besorgniserregenden Ergebnissen: 16% wiesen hohen Sanierungsbedarf auf, gleichzeitig wurden 27% als ökologisch besonders wertvoll eingestuft. Seit 2014 betreut die Fachkommission Vernetzung des Bauernverbandes Obwalden das Projekt als Teil des kantonalen Vernetzungsprojektes. In den vergangenen 10 Jahren konnten bereits über 600 Quadratmeter Trockenmauern fachgerecht saniert werden – Steinschlaggefahr gebannt, Lebensräume aufgewertet, Kulturlandschaft bewahrt.
Seit über 10 Jahren begleitet Pro Natura Unterwalden dieses wichtige Projekt finanziell. Die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Naturschutz zeigt beispielhaft, wie der Erhalt traditioneller Kulturlandschaften und die Förderung der Biodiversität Hand in Hand gehen können.