Heublasversuch Stöckmatt © Fornat AG
Artenschutz

Heubläser als Alternative zum Heurechen: Stöckmatt

Langzeitstudie zur Bewirtschaftung von Trockenwiesen in der Oberen Stöckmatt

In den Jahren 2010 bis 2015 und nochmals 2023 hat die Agroscope im Schutzgebiet von Pro Natura Unterwalden in der Oberen Stöckmatt oberhalb von Stansstad einen mehrjährigen Feldversuch zur Pflege von Trockenwiesen durchgeführt. Ziel war es, die Auswirkungen unterschiedlicher Bearbeitungsmethoden auf die Vegetation dieser ökologisch wertvollen Lebensräume zu untersuchen.

Trockenwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen in der Schweiz. Sie bieten spezialisierten Pflanzen- und Tierarten Lebensraum, stehen jedoch seit den 1950er-Jahren unter Druck. Flächenverluste durch Nutzungsaufgabe, landwirtschaftliche Intensivierung oder Überbauung haben zu einem starken Rückgang dieser Wiesen geführt. Um dem entgegenzuwirken, wurde vom Bundesrat das Inventar der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung erstellt. Das Naturschutzgebiet «Obere Stöckmatt» ist Teil dieses Inventars.

Wiesenökosysteme reagieren empfindlich auf Bewirtschaftungsformen. Um die Artenvielfalt zu erhalten, ist eine möglichst schonende Nutzung erforderlich. Während 5 Jahren und einer weiteren Aufnahme nach 13 Jahren wurde deshalb untersucht, ob sich das Einholen des Heus mit Laubbläsern anders auf die Vegetation und damit die Pflanzenvielfalt auswirkt als das traditionelle Zusammenrechen von Hand.

Im Rahmen des sogenannten „Heublasversuchs“ wurden mit dem Laubbläser und gerecht bearbeitete Flächen miteinander verglichen. Erfasst wurden unter anderem die Artenzahl und -zusammensetzung der Gefässpflanzen und Moose sowie ökologische Zeigerwerte (u.a. Feuchtigkeit, Lichtverhältnisse, Humus- und Nährstoffgehalt).

Für die arbeitsintensivere Bewirtschaftungsmethode war von Beginn an ein erhöhter Aufwand nötig. In der Anfangsphase stellte Pro Natura Unterwalden gemeinsam mit der Job Vision – einem Zentrum für berufliche Integration – zusätzliche Arbeitskräfte zur Verfügung. Nachfolgend organisierte sich das Bewirtschafterpaar die nötige Unterstützung eigenständig. 

Dass dieses Projekt über all die Jahre umgesetzt werden konnte, ist vor allem diesem grossen Engagement zu verdanken. Mit viel körperlich anstrengender Handarbeit und unter teils herausfordernden Bedingungen bewirtschafteten sie, wie auch bereits ihr Vorgänger, die Flächen nach den Vorgaben. Ohne die Bereitschaft diesen Mehraufwand auf sich zu nehmen wäre das Projekt nicht realisierbar gewesen. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an die Bewirtschafter für den jahrelangen Einsatz!

Die Auswertung der Aufnahme nach 13 Jahren ergab keine signifikanten Unterschiede in der Artenvielfalt oder der Deckung der Moose zwischen den beiden Bewirtschaftungsmethoden. Ob es einen Einfluss auf die Fauna gibt, wurde im Rahmen dieser Studie nicht untersucht. Pro Natura wird die Entwicklung der Flächen weiterverfolgen und bei einer negativen Entwicklung des Gespräch mit dem Bewirtschafter und dem Kanton suchen. 

Ob der Einsatz von Laubbläsern bei der Mahd von Halbtrockenrasen aus ökologischer Sicht vertretbar ist, wird die Zukunft zeigen.